Focke-Wulf Fw 190
Die Focke-Wulf Fw 190 ist ein einmotoriges Jagdflugzeug der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.
Die Focke-Wulf Fw 190 ist ein einmotoriges Jagdflugzeug der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Für die Fliegerschicksalsforschung ist der Typ aus einem einfachen Grund relevant: Seine Einsatzdauer von 1941 bis 1945, die vielen Bauvarianten und die hohen Produktionszahlen führen zu einer großen Zahl an Verlustmeldungen. Wer einen Absturz einer Fw 190 erforscht, muss die Baureihen unterscheiden, die Motorisierung kennen und die Werknummern korrekt zuordnen, weil dieselbe Werknummer in verschiedenen Quellen unterschiedlich notiert sein kann.
Die zentrale Frage bei der Zuordnung eines Fliegerschicksals zur Fw 190 ist nicht „Welches Muster?“, das steht fast immer in der Verlustmeldung, sondern „Welche Baureihe, welche Werknummer, welche Einheit und welche Quelle belegt das?“ Dieser Leitfaden zeigt, wie man diese Frage mit Primärquellen beantwortet.
Worauf es bei der Verlustrecherche ankommt
Die Focke-Wulf Fw 190 wurde in fast allen Luftkriegsräumen eingesetzt: als Abfangjäger über der Reichsverteidigung, als Jagdbomber an der Westfront, als Schlachtflieger an der Ostfront und als Höhenjäger gegen alliierte Bomberverbände. Entsprechend umfangreich ist die Überlieferung an Verlustmeldungen, Flugbüchern und Bergungsberichten, aber auch entsprechend unübersichtlich, weil sich die Baureihen, Motoren und Einsatzverbände stark unterscheiden.
Der häufigste Fehler bei der Recherche ist, eine einzelne Online-Datenbank als ausreichend zu betrachten. Fast immer sind mehrere Quellen nötig: die Namentliche Verlustmeldung (NVM), das Flugbuch des Piloten, die Kriegsstammrolle, lokale Gräberlisten und gegebenenfalls die Verlustkartei des Luftwaffen-Personalamts. Diese Quellen widersprechen sich häufig in Details wie Datum, Ort oder Todesursache, und genau dieser Abgleich ist der Kern der Schicksalsforschung.
Viele Verlustmeldungen wurden bei Bombenangriffen auf Archive vernichtet, und die Zuordnung einer konkreten Werknummer zu einem konkreten Absturz ist oft nur mit mehreren Dokumenten möglich. Gehen Sie bei der Recherche in dieser Reihenfolge vor:
- Namentliche Verlustmeldung (NVM) besorgen. Die NVM ist das zentrale Formular der Wehrmacht und findet sich meist in den Beständen RL 2-III oder RL 2-IV des Bundesarchiv-Militärarchivs.
- Werknummer aus der NVM notieren. Dieselbe Werknummer kann in Flugbüchern, Bergungsberichten oder der WASt-Kartei abweichend notiert sein. Notieren Sie jede Variante.
- Flugbuch des Piloten suchen. Flugbücher enthalten oft handschriftliche Einträge zu Werknummern und Einsatzorten, die von den amtlichen Meldungen abweichen.
- Kriegsstammrolle und WASt-Kartei abgleichen. Die Karteikarten der Wehrmachtauskunftstelle (heute Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv Freiburg) enthalten Einträge zu gefallenen und vermissten Wehrmachtsangehörigen.
- Gräberdatenbank des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge prüfen. Die Datenbank enthält Angaben zu Kriegsgräberstätten und kann abweichende Todesdaten oder Ortsangaben liefern.
- Ausländische Archive einbeziehen. Für Verluste über Europa enthalten die National Archives (UK) in den Beständen AIR 81 und AIR 27 oft ergänzende Angaben aus alliierter Sicht. Die Arolsen Archives führen Bestände zu Kriegsgefangenen, Vermissten und Todesbescheinigungen.
Baureihen und Motoren: So ordnen Sie die Variante zu
Die Fw 190 wurde in zahlreichen Baureihen gebaut. Für die Schicksalsforschung ist die Unterscheidung der Baureihen wichtig, weil sie Hinweise auf Einheit, Einsatzraum und Zeitraum gibt. Die Zuordnung eines Wracks oder einer Verlustmeldung zu einer Baureihe erfolgt über die Werknummer (W.Nr.) und die Motorisierung, nicht über das äußere Erscheinungsbild allein.
Jagdflugzeug mit BMW 801: Die Grundkonstruktion
Die ursprüngliche Jäger-Ausführung („Würger“) war der Entwurf von Kurt Tank und wurde ab 1941 bei der Luftwaffe eingeführt. Angetrieben vom BMW 801-Sternmotor, wurde sie in Unterversionen von der A-1 bis zur A-9 gebaut. Die Motorisierung variierte: Die A-1 bis A-5 verwendeten den BMW 801 C, spätere Baureihen den BMW 801 D. Die späten A-8/A-9 verwendeten die Version BMW 801 D-2 mit erhöhter Notleistung. Die Bewaffnung bestand aus Maschinengewehren und -kanonen in Tragflächen und Rumpf; die genaue Konfiguration änderte sich mit jeder Baureihe.
Diese Modelle blieben bis 1944 das Rückgrat der deutschen Jagdgeschwader an der West- und Ostfront. Für die Schicksalsforschung sind sie relevant, weil sie in großer Zahl an der Kanalfront und in der Reichsverteidigung eingesetzt wurden und entsprechend viele Verlustmeldungen existieren. Der Großteil der Einsätze erfolgte ab 1942 an der Ostfront und ab 1943 in der Reichsverteidigung. Bei der Verlustzuordnung sind die NVM und die WASt-Kartei die zentralen Quellen, da die meisten dieser Maschinen bei der Jagd- und Schlachtfliegerei eingesetzt wurden. Die genaue Staffel und die Einsatzart lassen sich oft aus der Verlustmeldung ableiten.
Jagdbomber: F- und G-Varianten
Die F- und G-Varianten waren Jagdbomber-Ausführungen, die auf der A-8-Zelle basierten. Beide verwendeten denselben BMW 801-Motor wie die Jagdflugzeug-Ausführung, unterschieden sich aber in der Panzerung und Außenlast.
- F-Reihe: Konzipiert als Schlachtflieger mit verstärkter Panzerung und Bombenaufhängungen. Die Bewaffnung war gegenüber der Jägerausführung geändert.
- G-Reihe: Langstrecken-Jagdbomber mit abwerfbarem Zusatztank und gröerer Reichweite, oft ohne die schweren Waffen der F-Serie.
Für die Schicksalsforschung ist entscheidend, dass F- und G-Modelle nicht nur von Jagdgeschwadern, sondern auch von Schlachtgeschwadern und Erprobungskommandos geflogen wurden. Die Zuordnung zur richtigen Einheit gelingt nur über die vollständige Verlustmeldung. Eine F-8 aus einer Schlachtstaffel hat eine andere Verlustmeldung als eine G-8 aus einer Jabostaffel.
Höhenjäger mit Jumo 213: Die D-Reihe
Die D-Reihe war der Höhenjäger mit Junkers Jumo 213A-Motor und wird vielfach als „Dora“ bezeichnet. Die Baureihe D-9 (und spätere D-12/D-13) verwendete den flüssigkeitsgekühlten Jumo 213A mit einer Startleistung von 1.750 PS. Die D-Reihe war eine Höhenentwicklung der Grundkonstruktion und wurde ab September 1944 an die Front ausgeliefert.
In Verlustmeldungen erscheint sie oft als „Fw 190 D-9“ oder „Fw 190 D-12“, wobei die Zuordnung zur genauen Baureihe über die Werknummer erfolgt. Die D-Reihe wird häufig mit der Ta-152 verwechselt, die eine separate Entwicklung war. Prüfen Sie bei einer als „Dora“ gemeldeten Maschine immer die Werknummer gegen die bekannten D-9/D-12/D-13-Blöcke, um eine Verwechslung mit der Ta-152 auszuschließen.
Werknummern als zentrale Zuordnungsgröße
Werknummern sind die zentrale Zuordnungsgröße in Verlustmeldungen. Notieren Sie bei jedem Quellenabgleich die Werknummer mit ihrer genauen Schreibweise (einschließlich möglicher führender Nullen oder Zusatzziffern) und halten Sie fest, aus welcher Quelle welche Schreibweise stammt. Abweichungen von nur einer Ziffer sind häufig und können den Unterschied zwischen einer gesicherten und einer fehlerhaften Zuordnung ausmachen.
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