Fliegerschicksale

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Wrackteilfunde im Bremer Blockland

Blenheim V6020

 

Ende Juni 2015 fand die Kampfmittelbeseitungsfirma Lutomsky, die im Auftrag der Bremer Polizei einen Bombenkrater im Bremer Blockland sondierte, 15 Meter neben dem bereinigten Krater in zwei Meter Tiefe Wrackteile eines Flugzeugs. Vorsorglich wurden die Teile auf dem Bauhof der Firma in Stuhr eingelagert. Ich als Mitglied der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen wurde, aus privatem Interesse eines Mitarbeiters, über den Fund informiert und meldete dies der Bremer Landesarchäologie. Frau Professor Doktor Halle, Leiterin der Landesarchäologie, begutachtete die Teile zusammen mit mir und Herrn Ahrens von der Firma Lutomsky im Juli 2015 am Lagerort in Stuhr. Da der Flugzeugtyp dort nicht feststellbar war, lediglich an der sichergestellten Muniton vom Kaliber 0.303 war zu vermuten das es ein britisches Flugzeug sein mußte, übernahm ich einige Teile zur Auswertung. Aufgrund eines vorgefunden Wrackteils das mit einem Abnahmestempel des britischen Flugzeughersteller Avro versehem war, ging ich anfangs von einer Lancaster aus. Drei recht quadratische Bleche (Cooling gills - Kühlklappen) die mit dem Herstellerkürzel "FB", welches für den Hersteller Bristol steht, ließen mich glauben es wäre eine von 180 gebauten Avro Lancastern mit Bristol Sternmotoren. Was nicht paßte war die helle Lackierung der Bleche . Eine Lancaster war in der Regel wegen ihrer Einsätze bei Nacht überwiegend schwarz lackiert, bis auf die Flugzeugoberseite die in dunklen Tarnfarben gehalten war. Auch das viele Plexisglas, das teilweise wie eine Welle geformt war (nicht vom Absturz, sondern so gefertigt) paßte von der Kontur nicht zu mit Plexiglas bestückten Baugruppen einer Lancaster. Ich mußte also nach einem britischen Flugzeugtyp suchen der zumindest teilweise hell lackiert war, mit mindestens einem Sternmotor bestückt war und zu dem wellenförmiges Plexiglas paßte. Fündig wurde ich dann bei der Bristol Blenheim Mk. IV. Hier war die Farbgebung und die Form der Bleche identisch, auch konnte ich die vielen Plexiglasteile zuordnen, die komplette obere Hälfte der Bugsektion einer Blenheim Mk. IV ist für die gute Sicht des Beobachter/Navigators wie ein Wintergarten verglast. Nach dem nun der Flugzeugtyp bestimmt war, konnten etliche der Fundteile, anhand von Fotos einer Museumsmaschine, der Einbaulage im Flugzeug zugeordnet werden. Ein Blech offenbarte dann die Seriennummer der Maschine, anhand der ein Flugzeug sicher identifiziert werden kann, da diese Nummer individuell ist. Ein Blech war mit einer Schablone in schwarz mit dem Wortfetzen "STA..." und darunter mit "V602..." beschriftet. Das könnte "STARBOARD V6020" geheißen haben. Tatsächlich stürzte eine Blenheim Mk. IV mit der Serienummer V6020 am 04.07.1941 bei einem Tagesangriff auf Bremen im Blockland nördlich von Bremen-Gröpelingen ab. Damit war die Identität des Flugzeugs geklärt und indirekt auch die Identität einer Blenheim Mk. IV die auf einem Foto verewigt ist das sie nur einige hundert Meter südlich vom Absturzort der V6020 im Parzellengebiet in Bremen-Gröpelingen als dort abgestürztes Wrack zeigt. Diese Blenheim wurde oft fälschlich als V6020 bezeichnet, tatsächlich handelt es sich um die V6193 des gleichen Squadrons die ebenfalls am 04.07.1941 abstürzte.Wrackteil mit Seriennummer Zum Ende der Recherche entdeckte ich ein weiteres Blech, das von einem Mechaniker des Bodenpersonals mit der Seriennummer 6020 beschriftet wurde, er verwendete dazu einen Bleistift! Ich war erstaunt das diese Beschriftung 74 Jahre im Erdboden überstanden hatte. Ein weiteres Wrackteil, ein schwarzer Metallring mit einer kleinen Schlauchtülle, hielt ich mehrer male in der Hand, immer der Meinung ein Teil aus der Umgebung eines der Sternmotoren in Händen zu halten. Um so berührender war es, als ich, mehr durch Zufall, feststellte das dieser Metallring zur persönlichen Ausrüstung eines der Flieger gehörte, der Anschluß der Sauerstoffversorgung, der an der Atemmaske angenäht war. 

Nach der Auswertung gab ich die Wrackteile zurück an die Landesarchäologie Bremen und teilte dort den Mitarbeitern und Frau Professor Doktor Halle meine Erkenntnisse mit. In der Landesarchäologie war da schon die Entscheidung gefallen die Wrackteile der Öffentlichkeit am Tag des offenen Denkmals am 13.09.2015 zu präsentieren. Die Wrackteile wurden im Fundzustand belassen, lediglich zwei Fundstücke, ein gefütterte Handschuh, und der Rest eines Stiefels, die Frau Professor Doktor Halle bereits bei der Erstbesichtigung an sich genommen hatte, wurden konserviert, gesichert wurde auch der Lack an dem Blech mit der Bleistiftbeschriftung. 

Für die Ausstellung, und um das Gesammtbild abzurunden, recherchierte ich noch die Geschichte des Angriffs, der von der Royal Air Force den Decknamen Operation Wreckage erhielt. Ein Kurzversion der Recherche wurde als Power Point Präsentation im Austellungsraum der Wrackteile am Tag des offenen Denkmals zur weiteren Information der Besucher gezeigt. Die Wrackteile sollen nun zum Winter 2015 im Focke Museum ausgestellt werden.


Stand: 20.09.2015

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