Fliegerschicksale

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22.05.1944 Holtum (Geest)

Angriffsziel : Bomber-Geleitschutz
Absturzzeit : 12:15
Flugzeugtyp : P-47
Seriennummer : 42-74752
Werknummer:  
Kennung :  
Nickname :  
Einheit : 56th FG, 61st FS
Heimatbasis : Boxted, Essex, AAF Station F-150
Status der Besatzung : 1 KIA

 

Wrack der P-47 von 2nd Lt. Nale auf dem Winterkamp (3)

 

P-47 von 2nd Lt. Nale (4)


Die Besatzung:

FunktionDienstgradNameStatus
P 2nd Lt. Cletus B. Nale KIA


Luftkampf über Holtum (Geest)

Von Jens-Michael Brandes, Verden

An diesem Tag wurde Kiel von Bombern der 8. US-Luftflotte angegriffen,auch die 56th Fightergroup mit ihren P-47 Thunderbolt Jagdmaschinen befand sich im Einsatz über Deutschland, im Raum Bremen.

Auf dem Fliegerhorst in Rotenburg/Wümme starteten Focke-Wulf 190 Jäger des Jagdgeschwaders 11. Unter ihnen Oberleutnant Hondt, Unteroffizier Sauerland sowie die Unteroffiziere Kirschner und Schuch, um die Amerikaner abzufangen.

Oberleutnant Hondt der nach einer Kollision mit einer B-17 am 8.Oktober 1943 noch nicht wieder vollständig genesen ist, und eigentlich einen dreimonatigen Genesungsurlaub antreten sollte, war erst knapp zwei Wochen vorher auf Besuch zu seiner alten Gruppe, der I/JG 11 nach Rotenburg zurückgekehrt.Bei der Wiedersehensfeier mit seinen alten Kameraden in der Nacht auf den 19.Mai muß ihm sein Freund und Kommandeur Hauptmann König versprechen ,daß er vor Urlaubsantritt noch einen Einsatz mitfliegen darf.

Am Morgen des 19.Mai ist Oberleutnant Hondt in der Luft um amerikanische Bomberverbände zu bekämpfen. Das Gefühl für die Fw 190 nach langem Lazarettaufenthalt noch nicht wieder zurückgewonnen, streift er bei einem Frontalangriff auf eine B-24 Liberator den Bomber auf der Oberseite und rasiert mit seinen Flächen das Seitenleitwerk des Bombers ab. Dieser gerät brennend ins Trudeln und stürzt ab. Mit schwer beschädigter Maschine landet Hondt auf dem Fliegerhorst." Nach diesem vielversprechendem Anfang konnte ich natürlich nicht auf Urlaub fahren!" schreibt er in seinen Notizen.

Als die P-47 Thunderbolts der 56. Fightergroup sich über Bötersen , östlich des Fliegerhorstes Rotenburg , befinden, macht Major Francis Gabreski, ein amerikanisches Fliegerass mit bisher 19 Luftsiegen, die Focke-Wulf Maschinen des JG11 aus, die gerade dabei sind Höhe zu gewinnenMit einem Abschwung aus 6500 Meter auf etwa 500-600 Meter stoßen die Amerikaner von oben auf die deutschen Maschinen herab. Eine wilde Kurverei entwickelt sich . Der Luftkampf zieht sich bis in den Raum von Holtum (Geest). Teilweise in Baumwipfelhöhe jagen die Maschinen dahin.

2nd Lieutenant Richard M. Heineman, der gerade drei Tage vorher seinen ersten Luftsieg errang, kann sich eine Focke-Wulf 190 herauspicken und schießt sie ab. Mit seiner Thunderbolt kurvt er nach rechts und hängt sich hinter eine weitere deutsche Maschine.Von oben schwingt sich eine andere deutsche Maschine hinter die Thunderbolt des 2ndLieutenant Heineman. Heineman´s Flügelmann , 2nd Lieutenant Popplewell versucht seinen Kameraden noch zu warnen, der schießt aber unbeirrt weiter auf die vor ihm fliegende Focke-Wulf. Die kann er abschießen und erringt damit seinen dritten Luftsieg.

2nd Lt. Heineman, dessen Maschine zu schwer getroffen wurde, kann sich nicht mehr retten und schlägt im Schwarzen Moor bei Westerwalsede auf. 2nd Lt. Popplewell wird nun selber von einem Deutschen unter Feuer genommen und muß nach unten rechts wegkurven.

Auch die Thunderbolt von 2nd Lieutenant Cletus B.Nale wird in im Luftkampf getroffen, stark rauchend stürzt seine Maschine einige Kilometer entfernt von seinem Kameraden Heineman bei Süderwalsede ab, auch er findet den Fliegertod.

Major Gabreski kann in diesem Luftkampf drei deutsche Focke-Wulf 190 abschießen, vermutlich auch die Maschine von Oberleutnant Hondt.

Hondt, dessen Maschine brennt, kann aussteigen und zieht sofort die Leine seines Schirms, da er gerade noch 300 Meter über dem Boden ist. Am Schirm hängend wird er von einer Thunderbolt beschossen. Mit drei Schußverletzungen landet Oberleutnant Hondt im Forst Wedehof und bleibt , da sich der Schirm in einem Baum verfängt, knapp über dem Boden hängen.Sofort löst er sich von den Gurten. Noch dreimal beschießt der Amerikaner den im Baum hängenden Fallschirm, 20 Löcher werden später gezählt.

Als Oberleutnant Hondt vom Jagdaufseher Hermann Lindhorst nachmittags am Rand des Forst Wedehof aufgefunden wird, hält der ihn erst für einen farbigen Amerikaner, da sein Gesicht blutverschmiert ist. Er wird auf einer Leiter in das Haus Tölke Wedehof 2 gebracht.Der herbeigerufene Verdener Arzt Dr. Kohlschütter versorgt ihn mit einem Notverband und schafft Oberleutnant Hondt in das Städtische Krankenhaus nach Verden. Vermutlich ist es seine Maschine die in ein einzeln stehendes Haus südlich von Eversen stürzt. Bei Löschversuchen kommt ein polnischer Arbeiter ums Leben.

Ein weiterer Flugzeugführer des JG 11 hat weniger Glück. Er wird abgeschossen und stürzt mit seiner Maschine nördlich von Holtum (Geest) auf dem Winterkamp in den Tod. Als er gefunden wird liegt sein Oberkörper neben dem Aufschlagkrater.

Eine weitere deutsche Maschine stürzt am nordwestlichen Ortsrand von Kirchwalsede ab, der Flugzeugführer konnte sich mit dem Fallschirm retten, wird aber ebenfalls von einem Amerikaner mit den Bordwaffen beschossen. Schon durch Kopfschuß tödlich getroffen wird der Fall des Flugzeugführers immer schneller, da sein Schirm von den Geschoßgarben zerfetzt ist. Der Flugzeugführer schlägt nur 150 Meter von seiner Maschine auf.

Einer der beiden Amerikaner, verbrennt bis zur Unkenntlichkeit in seiner Maschine, der Andere wird herausgeschleudert in einem Weidezaun hängend gefunden.Beide, 2nd Lieutenant Nale und Heineman werden erst in Rotenburg bestattet und nach Kriegsende auf einen amerikanischen Soldatenfriedhof in den Ardennen umgebettet.

     

Cletus B. Nale (li.) Richard M. Heineman (re.) (2)

Unteroffizier Kirschner, der einen der Amerikaner abschießt, konnte an diesem Tag seinen ersten Luftsieg erringen, für Unteroffizier Schuch, der die andere Thunderbolt abschießt, war es der Zweite.

Major Francis Gabreski muß im Juli 1944 bei einem Einsatz über Deutschland notlanden, nach fünftägiger Flucht gerät er in deutsche Gefangenschaft. 28 Luftsiege konnte er bis dahin erzielen.Nach dem Krieg dient Gabreski weiter in der Air Force. Im Koreakrieg fliegt er noch weitere Einsätze und erzielt dort 6,5 Luftsiege. Am 31.10.1967 scheidet Francis S. Gabreski im Rang eines Colonel aus dem Dienst aus und wird technischer Berater bei dem Flugzeughersteller Grumman.

 

Francis S. Gabreski

Oberleutnant Erich Hondt , der im Juni 1944 schon wieder fliegt , wird am 25.August 1944 erneut abgeschossen. Neun Tage danach meldet er sich ohne Erlaubnis mit frisch operierter linken Hand bei der Fliegerhorstkommandatur Mönchen-Gladbach. Einige Tage später ist er bei seiner Einheit und fliegt ab Mitte Oktober wieder. Im März 1945 wird er zum Hauptmann befördert und schult in den letzten Kriegswochen noch auf den Düsenjäger Me 262 um. Hondt konnte 16 Luftsiege erringen.

Nach dem Krieg wird er Verkaufsrepräsentant eines Landmaschinenherstellers.Erich Hondt erliegt am 17.Juni 1976 einem Herzinfarkt.

 

Hondt (li.) mit seinem 1. Wart im Oktober 1943 (1)


Quellen:

Günter Wiesinger , Linz , Österreich

Helmut Wahlers , Holtum - Geest

H.Lübbers , Das Dorf Holtum (Geest) , Ortschronik

Missing Air Crew Report , MACR 5398

Missing Air Crew Report , MACR 5399

NARA , USA


Bildnachweis:

(1) Günter Wiesinger , Linz , Österreich

(2) www.web-birds.com

(3) Gerd Müller, Holtum (Geest)

(4) Peter Randall, www.littlefriends.co.uk

 

Stand: 22.07.2015

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