Fliegerschicksale.de

Seite
Menü
News
Sie sind hier:   Startseite > Absturzorte > Landkreis Verden > 08.05.1944 Kirchlinteln

08.05.1944 Kirchlinteln

(Ziegelei)

Angriffsziel : Berlin
Absturzzeit :  
Flugzeugtyp : B-17
Seriennummer : 42-97631
Werknummer:  
Kennung : MZ-P
Nickname :  
Einheit : 96th BG, 413rd BS
Heimatbasis : Snetterton
Status der Besatzung : 3 KIA, 8 POW

 

Frontscheibe der B-17


Die Besatzung:

FunktionDienstgradNameStatus
MP Maj. Raleigh A. Shoemaker KIA
P 1st Lt. John B. White KIA
CP 2nd Lt. Harrold J. Grau POW
N 2nd Lt. Charles L. Jones KIA
B 2nd Lt. George E. Hopkins POW
TT T/Sgt. Robert A. von Sternberg POW
RO T/Sgt. James R. Radford POW
MO 2nd Lt. Richard E. Oldham POW
RW S/Sgt. Eugene A. Tomlin POW
LW S/Sgt. Sylvester A. Freese POW
TG S/Sgt. Bill J. Shelton POW

 

Es war etwa gegen 10 Uhr morgens am 8. Mai 1944 als die Bomber der 8. US-Luftflotte auf ihrem Weg zum Ziel Berlin von deutschen Jägern angegriffen wurden.

"Jäger 12 Uhr !" , warnte der Navigator 2nd Lt. Jones seine Kameraden an Bord der viermotorigen "Flying Fortress" der 96th Bombergroup, als auch schon die Geschosse im Bomber einschlugen.

Als Führungsmaschine ausgerüstet mit dem H2X-Radar, mit dem auch bei geschlossener Wolkendecke Ziele genau bombardiert werden konnten, stand sie unter dem Befehl des Piloten 1st Lt. John B. White. Zusätzlich zu der zehnköpfigen Besatzung war Maj. Shoemaker als Mission Pilot mit an Bord, für den es der erste Einsatz war.

Beschädigt scherte der Bomber aus dem Verband aus. White versuchte zusammen mit Shoemaker das im Cockpit ausgebrochene Feuer zu löschen. Kurz darauf muß dem Piloten klar gewesen sein, daß die Maschine nicht mehr zu halten war und gab den Befehl zum Aussteigen. Copilot 2nd Lt. Grau, der vermutlich als letzter die Maschine verlassen konnte, verhakte sich in der Ausstiegsluke. Als der Bomber in der Nähe von Verden explodierte wurde Grau durch die Wucht der Explosion aus der Luke geschleudert. Mit Verbrennungen landete er sicher.

Pilot White und Shoemaker der neben ihm auf dem Copilotensitz saß und der Navigator Jones fanden den Tod.

Weit verstreut fielen die Trümmer in den Lindhoop und um die Ziegelei zu Boden. Eine Tragfläche auf den Finkenberg. Teile des brennenden Hecks lagen hinter dem Haus Graue an der Straße Verden-Kirchlinteln. Ein Motor schlug unweit der Försterei auf.

White und Shoemaker wurden aus den Resten des Cockpits, das auf dem Acker vor dem Hof Jäger lag, geborgen und auf dem Feldweg, der von der Straße "Auf dem Horst" zur Försterei führt, abgelegt und notdürftig mit Ästen abgedeckt. Jones wurde an der (alten) Straße nach Weitzmühlen gefunden .

Von S/Sgt Eugene A. Tomlin gibt es eine anschaulichen Bericht im MACR:

"Ich war der Erste der nach dem Absprungbefehl absprang, die Anderen folgten einige Sekunden später. Ich landete in einem kleinen Wäldchen, wo ich von einem Soldaten und zwei Zivilisten gefangen genommen wurde.(Nach unbestätigten Aussagen könnte dies am Verdener Stadion gewesen sein.) Nachdem ich einer Gruppe ziviler "Landwacht", übergeben wurde, kam nach etwa einer Stunde ein deutscher Offizier der Englisch sprach. Nach der Vernehmung, bei der ich keine Informationen preisgab, wurde ich mit einem LKW in ein Gefängniss gefahren. (Vermutlich die Kaserne an der Lindhooper Str., heute Kreishaus.) Dort traf ich die Anderen der Besatzung und einige andere Männer die nicht zur Crew aber zu unserem Geschwader gehörten. Mit einem Doktor leistete ich den Verwundeten Hilfe."

S/Sgt. Tomlin mußte mit zwei US-Offizieren und einem weiteren US-Soldaten Ausrüstungsgegenstände aus abgestürzten Flugzeugen von einem LKW auf einen Anderen umladen, bewacht von deutschen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett. Vier Tote Amerikaner wurden ihnen gezeigt die sie noch mit auf den LKW laden mußten. Danach wurden sie mit den anderen Gefangenen zu einem Lager in der Nähe eines Flugplatzes gefaheren. (Vermutlich der Fliegerhorst Hoya.) Dort mußten die Gefangenen den LKW ausladen und die Toten in einfache Särge aus Kiefernbrettern legen. Hierbei wurde von den Gefangenen bemerkt, daß der Tote 2nd Lt. Jones zwei Einschußlöcher im Kopf hatte. Einige Besatzungsmitglieder sprachen nach dem Krieg die Vermutung aus, daß Jones den Absturz überlebte und am Boden hingerichtet wurde. In Kirchlinteln gab es das Gerücht das der an der Weitzmühler Straße gefundene Amerikaner von deutschen Soldaten erschoßen worden sein soll.

Am nächsten Tag wurden die unverletzten Gefangenen in das Dulag Luft Oberursel überstellt. Die Verletzten kamen in das Militär-Reserve-Hospital 4 nach Hannover, das in der Bismarckschule untergebracht war.

Maj. Shoemaker und 1st Lt.White wurden am 10 Mai 1944 auf dem jüdischen Friedhof in Hoyerhagen beigesetzt. Über eine Bestattung von 2nd Lt. Jones gibt es in den Akten kein Vermerk.


Quellen:

Abschussmeldung Luftgaukommando XI

MACR 4571

Augenzeugenbericht Hermann Meisloh , Kirchlinteln

Heinz Jäger , Kirchlinteln


Bildnachweis:

J.-M. Brandes , Verden

 

Stand 24.07.2015

« vorige Seite Seitenanfang nächste Seite »
Seite
Menü
News

Wrackteile von Blenheim gefunden!

Ende Juni 2015 wurden durch eine Kampfmittelbeseitigungsfirma im Bremer Blockland Wrackteile eines Flugzugs geborgen. Jens-Michael Brandes von der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie wurde informiert und besichtigte zusammen mit Prof. Dr. Halle von der Bremer Landesarchäologie die Teile auf dem Gelände der Firma. Frau Prof. Dr. Halle übernahm einen Fliegerhandschuh sowie Reste eines Stiefels zur Konservierung.

J.-M. Brandes nahm in Absprache mit  Frau Prof. Dr. Halle einige Teile mit zur Auswertung nach Hause. Noch am selben Abend war klar das es sich um einen mittleren Bomber vom Typ Bristol Blenheim VI handelte. Bei weiteren Untersuchungen konnten einen Tag später zwei Aufschriften, eine mit Schablone lackiert, die andere Aufschrift mit Bleistift angefertigt, entdeckt werden, die, die Seriennummer der Maschine nannten, V6020.

Die Teile wurden im Rahmen einer Ausstellung am 13.09.2015 zum Tag des offen Denkmals in der Landesarchäologie ausgestellt.

Mehr lesen...

Luftfahrtarchäologie 2015. Zertifizierung Sondengänger mit Polizeieinsatz.

Am 10.10.2015 fand auf Einladung von Prof. Dr. Hauke Jöhns, leitender wissenschaftlicher Direktor des Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung, und Frau Dr. Jutta Precht, Kreisarchäologin des Landkreises Verden der praktische Ausbildungsteil des Zertifizierungslehrgangs für Sondengänger statt. Ausgesucht hatte Frau Dr. Precht eine vermutete germanische Siedlungsfläche aus der römischen Kaiserzeit in Hülsen, Gemeinde Dörverden, auf dem die Ausbildung mit den Sondengängern durchgeführt wurde. Als Vertreter der Landesarchäologie Niedersachsen war Herr Mario Pahlow M. A. vom Stützpunkt Lüneburg anwesend. Bei kühlen 4,5° C traffen sich die Teilnehmer und wurden bei einer Tasse heißem Kaffee durch Prof. Dr. Jöhns und Dr. Precht eingewiesen. Anschließend wurde die, vom Landwirt netterweise extra für den Lehrgang, umgebrochene Fläche in mehrer Suchflächen von 10 X 10 Meter eingeteilt. Die Teilnehmer durften dann erstmal nur ihre Augen einsetzen und "ihre" Fläche nach Keramiken, bearbeiteten Feuersteinen oder anderen Auffälligkeiten absuchen. 

Oberflächensuche, nur mit den Augen

Oberflächensuche mit den Augen...

Detektorsuche

...und der Sonde.

Die dabei gemachten Lesefunde wurden dann durch einen der Archäologen begutachtet, danach wurde für jeden Fund ein Fundzettel ausgefüllt. Endlich durften die Teilnehmer mit der Sonde suchen. Hier war die "Trefferqoute" hoch, allerdings nicht unbedingt bei den archäologisch verwertbaren Funden, eher bei technischen Teilen von Landmaschinen und, unerwartet, Infantriemunition aus italienischer Fertigung, die vermutlich von Beutewaffen stammte die in der ehemaligen nah gelegenen Kriegsmarine-Fahrschule geführt wurden. Augenscheinlich wurde nach Kriegsende die Muntion durch Sprengung auf unserer Ausbildungsfläche vernichtet. Das bedingte das zweimalige Kommen der Polizei um die gesammelte Muntion zu übernehmen.

Munition und Munitionsteile

Munition und Munitionsteile.

Noch vor dem Mittag wurde "umgesetzt" und die zweite Hälfte der Ackerfläche abgesteckt. Um etwa 12:30 Uhr lud Frau Dr. Precht zu einem einfachem aber schmackhaften Mittagessen ein, das bei herlichem Sonnenschein am Ackerrain eingenommen wurde. Bevor es wieder auf die Suchfläche ging, erläuterte Frau Dr. Precht das Ausfüllen einer Fundmeldung. 

Mittagessen

Mittag!

Gegen 15:15 Uhr hatten alle Teilnehmer ihre zweiten 10 X 10 Meter großen Flächen abgesucht und so konnte abgebaut und aufgeräumt werden. Höhepunkt für alle war die Übergabe der Teilnahmebescheinigung mit denen die Teilnehmer nun in Absprache mit den zuständigen unteren Denkmalbehörde Flächen mit der Sonde begehen dürfen.

 Archäologisch Relevante Funde

Archäologisch relevante Funde.

Stand: 11.10.2015

 

Bergung einer Me 109 G-10 in Stendern, Gemeinde Bücken.

Am 26.08.2016 wurde durch den Verein um Werner Oeltjebruns "Flieger, Flugzeuge, Schicksale" und Unterstützung der "Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen", so wie der Bundesschule des THW in Hoya unter Begleitung des Kampfmittelräumdienstes, des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. un der  Kommunalarchäologie vertreten durch Dr. Jens Berthold die Reste einer Messerschmitt Me 109 G-10 geborgen.

Abziehen der Ackeroberfläche

Erste Spuren des Flugzeuges zeigten sich ca. 50 cm unter der Ackeroberfläche beim Abziehen der obersten Bodenschichten mit dem Bagger. Perfekte Arbeit lieferte Heiner Hupe vom THW ab. Auf Anweisung von Werner Oeltjebruns steuerte Hupe die Schaufel um die Trümmersäule die das Jagdflugzeug bildete als es fast senkrecht im Winter 1944/45 in den Boden einschlug. Versuche die reste des Wracks Schicht für Schicht abzutragen, konnte aufgrund des kompakten Bodens in dem die Blechfetzen wie Blätterteig geschichtet lagen, nicht umgesetzt werden.

Die Trümmersäule, gebildet aus dem Rumpf der Me 109

Die Trümmersäule 

Die Schichten wurden durch den Bagger, unter wachsamen Augen des Umbetters Erwin Kowalke abgetragen. Mitglieder der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen durchsuchten den Aushub nach sterblischen Überresten, bargen aber nur Wrackteile, darunter eines der drei Propellerblätter sowie zwei Maschinengewehre MG 131 die den ersten Einsatz des Kampfmittelräumdienst forderten. Später wurde dann noch die dazugehörige Munition geborgen. Ein Hinweis auf den Verbleib des Piloten gab dann bald ein Fragment der Erla-Haube des Cockpits von der Scharnierseite. Dieses Fragment ließ vermuten das der Pilot sein Flugzeug nicht verlassen konnte 

MG 131

Waffengehäuse eines MG 131

Dies stellte sich dann aber mit erreichen des Cockpitbereichs als Irrtum heraus. Vom Piloten keine Spur, kein Gurtzeug, kein Fallschirm, keine Uniformteile und keinerlei sterblichen Überreste. Der Motorblock wurde dann fast als letztes in vier Meter Tiefe geborgen. Die Randbereiche des Aufschlagkraters wurden dann noch in der Tiefe abgebaggertet, um sicherzustellen das nichts übersehen wurde.

 Aufschlagkrater

Nach Verladen der Wrackteile und schließen der Grube wurde nach 18:00 Uhr die Arbeit beendet. 

 

 

Seite
Menü
News

Powered by CMSimple | Template: ge-webdesign.de | Login