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08.03.1944 Lichtenhorst-Steimbke

Angriffsziel : Berlin
Absturzzeit : 13:00
Flugzeugtyp : B-17
Seriennummer : 42-38211
Werknummer:  
Kennung :  
Nickname : "Sleepy Time Gal"
Einheit : 452nd BG, 731st BS
Heimatbasis : Deopham Green, Norfolk, AAF-Sation 142
Status der Besatzung : 2 KIA, 8 POW

 

Nose Art der "Sleepy Time Gal"


Die Besatzung:

FunktionDienstgradNameStatus
P 2nd Lt. Theodore H. MacDonald POW
CP 2nd Lt. John T. Godsey KIA
N 2nd Lt. Jacob "Jack" Moskowitz POW
B 2nd Lt. Anton L. Harris KIA
E/TT T/Sgt. Mearl I. Cline POW
RO T/Sgt. Wilburne C Rowden POW
RW S/Sgt. Charles R. Batdorf POW
LW S/Sgt. Wendell E. Dowell POW
BT S/Sgt. William J. Valigura POW
TG S/Sgt. Robert L. Allen POW

 

Auf dem achten Einsatz, ein Flug nach Berlin, flogen die "Sleepy Time Gal" in der Führungsstaffel und wurden im Raum Hannover von deutschen Jagdflugzeugen angegriffen. "Da ist unser Begleitschutz, 12 Uhr, hoch!" sagte eine Stimme über die Bordsprechverbindung. Die Jäger erschienen als ferne Flecken, wurden größer als sie sich den Bombern näherten. Von vorn, in flachem Sturz kamen die Jäger schnell an die Bomberformation heran. Die Bomberbesatzungen realisierten schnell, dass es kein Begleitschutz war, sondern Wellen von zehn bis fünfzehn Fw 190, Me 109 und Me 110, die Flügel an Flügel flogen und das Feuer mit ihren Maschinengewehren und 20 mm Bordkanonen eröffneten.

Mearl Cline, im oberen Geschützturm, feuerte auf die deutschen Jäger mit seinem Zwillings-MG Kaliber .50, ebenso wie 2nd Lt. Harris die Deutschen mit seinen beiden Kaliber .50 Maschinengewehren in der Kinn-Gondel unter der Nase des Bombers empfing. Chuck Batdorf, von seiner Bordschützenposition, rechts im Rumpf, wartete darauf die Jäger sehen zu können, aber der erste Anflug war vorbei, so dass er nicht zum Schuss kam.

Der Bomber wurde wiederholt vom Bug bis zum Heck getroffen. Zwei Motoren fielen aus. Der Pilot 2nd Lt. MacDonald gab das Signal zum Absprung.

Der linke Bordschütze und der Funker bemerkten, dass die untere Schützengondel ohne Strom war, damit war der Bordschütze in ihr gefangen. Die beiden Flieger kurbelten die Gondel von Hand um Zugang zu der Einstiegsluke zu bekommen.

Mearl Cline, war auf Befehl des Piloten, auf dem Weg von seinem oberen Geschützturm in das Heck des Bombers, um sicher zu stellen das auch die Verwundeten abspringen. Als er durch den Funkraum kam, sah er wie sich Dowell und Rowden bemühten an den Bordschützen Valigura zu gelangen und entschied sich zu helfen.

Die drei Flieger kurbelten die Gondel bis die Einstiegslucke frei war, öffneten die Verriegelung und das Luk. Nun konnte Valigura zurück in die relative Sicherheit des Flugzeugrumpfes klettern.

 

     

S/Sgt. Robert L. Allen (links) und S/Sgt. Charles R. Batdorf

Der Navigator Lt. Moskowitz wurde mehrmals in sein rechtes Bein getroffen, sein Fallschirm war durch den Beschuss förmlich geschreddert. Moskowitz rief den Piloten über die Bordsprechverbindung: "Mac, Ich habe keinen Fallschirm mehr!"

“Komm rauf und nimm meinen!" sagte MacDonald ohne zögern. Er nahm den Fallschirm und sprang nach dem Bombenschützen und dem Copiloten ab. Nachdem er durch Bäume geschleift war, landete er mitten in einer Flakstellung der Luftwaffe und wurde sofort gefangen genommen. Später wurde er zu einem Fliegerhorst gebracht, vermutlich Wunstorf.

 

     

T/Sgt. Wilburne C Rowden (links) und 2nd Lt. Jacob "Jack" Moskowitz

Valigura wurde von einem Landwirt gefangen genommen und dem deutschen Militär übergeben. Die Deutschen brachten ihn ebenfalls zu einem Fliegerhorst. Begleitet durch Wachen wurde er in eine Zelle gesperrt. Ein schmales, Rost bedecktes Fenster in der oberen Ecke der Zelle erlaubte ihm den einzigen Ausblick nach draussen. Unter dem Fenster war ein hölzerner Tisch, der als Bett diente. Auf diesem Bett stehend spähte Valigura durch das Fenster. Die Unterseite des Fensters war auf Erdhöhe, das bedeutete, dass seine Zelle im Keller war.

Die Zellentür öffnete sich und neben dem Wachsoldaten stand ein deutscher Offizier. Der Offizier war ein Flugzeugführer der Luftwaffe. Valigura war gerade zwanzig Jahre alt und dieser deutsche Flugzeugführer sah nur ein paar Jahre älter aus als er. Gekleidet in eine Fliegerkombination mit einer sehr amerikanisch aussehenden Webpelz-Fliegerlederjacke. Der Deutsche sah müde aus. Trotz seiner offensichtlichen Müdigkeit, gelang es ihm, vor dem ängstlichen amerikanischen Flieger eine arrogante Haltung beizubehalten. Der Deutsche mus erst kurz zuvor noch in der Luft gewesen sein, wie Valigura feststellte, die Abdrücke seiner Sauerstoffmaske waren noch deutlich im Gesicht zu sehen. Englisch sprechend gab sich der deutsche Flugzeugführer als jener zu erkennen der Valigura und seine Kameraden der "Sleepy Time Gal" abschoss. Um seine Aussage zu untermauern nannte er Valigura die Hecknummer des Bombers. Er hörte still zu als der Deutsche ihn warnte. Der arrogante, junge Flugzeugführer sagte, dass alliierte Flieger das gleiche Schicksal erleiden werden, wenn sie weiter in sein Vaterland einfliegen. Der Offizier wendete sich ab und verliess die Zelle. Der Wachsoldat schloss die schwere Tür, der junge Texaner blieb wieder allein in der Zelle zurück.

 

     

T/Sgt. Mearl I. Cline (links) und S/Sgt. William J. Valigura

Mearl Cline war der Letzte der von der "Sleepy Time Gal" absprang. Er bekam durch den Sog Probleme den Bomber zu verlassen. Als er sich aus der Rumpftür rollte zog er seine Reissleine, der Fallschirm öffnete sich. Die extra lange elektrische Leitung für seine beheizbare Fliegerkombination verfing sich im Fallschirme und verhinderte das Öffnen. Er zog den Fallschirm zu sich, um ihn und die elektrische Leitung zu entwirren. Als sich der Fallschirm öffnete schwang er an ihm hängend noch zweimal hin und her, bevor er in einem Baum landete. Im Baum schwebend drehte er sich ein paar mal hin und her, um zu sehen wie er am bseten zu Boden kam. Sekunden später sah er einen Landwirt, bewaffnet mit einer Schrotflinte der über das Feld auf ihn zurannte. Konfrontiert mit der bevorstehenden Gefangennahme sagte Cline zu sich selbst: "Ich denke ich werde eine Weile hier bleiben."

2nd Lt. MacDonald schaffte es den Bomber Bruch zu landen und traf Moskowitz einige Stunden später in dessen Zelle auf dem Fliegerhorst.

 

Der bauchgelandete Bomber

 

Beachte die Bombenladung!

 

Untersuchung der Bugsektion

 

Bergekommando bei der Untersuchung


Quellen:

Abschussmeldung Luftgaukommando XI

MACR 3193

"THE LAST PIECE OF THE PUZZLE" by C. Alan Foreman

Rick Miller, http://www.emolachance.com/42-38211.html


Bildnachweis:

Rick Miller, http://www.emolachance.com/42-38211.html

 

Stand: 17.07.2015

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Wrackteile von Blenheim gefunden!

Ende Juni 2015 wurden durch eine Kampfmittelbeseitigungsfirma im Bremer Blockland Wrackteile eines Flugzugs geborgen. Jens-Michael Brandes von der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie wurde informiert und besichtigte zusammen mit Prof. Dr. Halle von der Bremer Landesarchäologie die Teile auf dem Gelände der Firma. Frau Prof. Dr. Halle übernahm einen Fliegerhandschuh sowie Reste eines Stiefels zur Konservierung.

J.-M. Brandes nahm in Absprache mit  Frau Prof. Dr. Halle einige Teile mit zur Auswertung nach Hause. Noch am selben Abend war klar das es sich um einen mittleren Bomber vom Typ Bristol Blenheim VI handelte. Bei weiteren Untersuchungen konnten einen Tag später zwei Aufschriften, eine mit Schablone lackiert, die andere Aufschrift mit Bleistift angefertigt, entdeckt werden, die, die Seriennummer der Maschine nannten, V6020.

Die Teile wurden im Rahmen einer Ausstellung am 13.09.2015 zum Tag des offen Denkmals in der Landesarchäologie ausgestellt.

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Luftfahrtarchäologie 2015. Zertifizierung Sondengänger mit Polizeieinsatz.

Am 10.10.2015 fand auf Einladung von Prof. Dr. Hauke Jöhns, leitender wissenschaftlicher Direktor des Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung, und Frau Dr. Jutta Precht, Kreisarchäologin des Landkreises Verden der praktische Ausbildungsteil des Zertifizierungslehrgangs für Sondengänger statt. Ausgesucht hatte Frau Dr. Precht eine vermutete germanische Siedlungsfläche aus der römischen Kaiserzeit in Hülsen, Gemeinde Dörverden, auf dem die Ausbildung mit den Sondengängern durchgeführt wurde. Als Vertreter der Landesarchäologie Niedersachsen war Herr Mario Pahlow M. A. vom Stützpunkt Lüneburg anwesend. Bei kühlen 4,5° C traffen sich die Teilnehmer und wurden bei einer Tasse heißem Kaffee durch Prof. Dr. Jöhns und Dr. Precht eingewiesen. Anschließend wurde die, vom Landwirt netterweise extra für den Lehrgang, umgebrochene Fläche in mehrer Suchflächen von 10 X 10 Meter eingeteilt. Die Teilnehmer durften dann erstmal nur ihre Augen einsetzen und "ihre" Fläche nach Keramiken, bearbeiteten Feuersteinen oder anderen Auffälligkeiten absuchen. 

Oberflächensuche, nur mit den Augen

Oberflächensuche mit den Augen...

Detektorsuche

...und der Sonde.

Die dabei gemachten Lesefunde wurden dann durch einen der Archäologen begutachtet, danach wurde für jeden Fund ein Fundzettel ausgefüllt. Endlich durften die Teilnehmer mit der Sonde suchen. Hier war die "Trefferqoute" hoch, allerdings nicht unbedingt bei den archäologisch verwertbaren Funden, eher bei technischen Teilen von Landmaschinen und, unerwartet, Infantriemunition aus italienischer Fertigung, die vermutlich von Beutewaffen stammte die in der ehemaligen nah gelegenen Kriegsmarine-Fahrschule geführt wurden. Augenscheinlich wurde nach Kriegsende die Muntion durch Sprengung auf unserer Ausbildungsfläche vernichtet. Das bedingte das zweimalige Kommen der Polizei um die gesammelte Muntion zu übernehmen.

Munition und Munitionsteile

Munition und Munitionsteile.

Noch vor dem Mittag wurde "umgesetzt" und die zweite Hälfte der Ackerfläche abgesteckt. Um etwa 12:30 Uhr lud Frau Dr. Precht zu einem einfachem aber schmackhaften Mittagessen ein, das bei herlichem Sonnenschein am Ackerrain eingenommen wurde. Bevor es wieder auf die Suchfläche ging, erläuterte Frau Dr. Precht das Ausfüllen einer Fundmeldung. 

Mittagessen

Mittag!

Gegen 15:15 Uhr hatten alle Teilnehmer ihre zweiten 10 X 10 Meter großen Flächen abgesucht und so konnte abgebaut und aufgeräumt werden. Höhepunkt für alle war die Übergabe der Teilnahmebescheinigung mit denen die Teilnehmer nun in Absprache mit den zuständigen unteren Denkmalbehörde Flächen mit der Sonde begehen dürfen.

 Archäologisch Relevante Funde

Archäologisch relevante Funde.

Stand: 11.10.2015

 

Bergung einer Me 109 G-10 in Stendern, Gemeinde Bücken.

Am 26.08.2016 wurde durch den Verein um Werner Oeltjebruns "Flieger, Flugzeuge, Schicksale" und Unterstützung der "Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen", so wie der Bundesschule des THW in Hoya unter Begleitung des Kampfmittelräumdienstes, des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. un der  Kommunalarchäologie vertreten durch Dr. Jens Berthold die Reste einer Messerschmitt Me 109 G-10 geborgen.

Abziehen der Ackeroberfläche

Erste Spuren des Flugzeuges zeigten sich ca. 50 cm unter der Ackeroberfläche beim Abziehen der obersten Bodenschichten mit dem Bagger. Perfekte Arbeit lieferte Heiner Hupe vom THW ab. Auf Anweisung von Werner Oeltjebruns steuerte Hupe die Schaufel um die Trümmersäule die das Jagdflugzeug bildete als es fast senkrecht im Winter 1944/45 in den Boden einschlug. Versuche die reste des Wracks Schicht für Schicht abzutragen, konnte aufgrund des kompakten Bodens in dem die Blechfetzen wie Blätterteig geschichtet lagen, nicht umgesetzt werden.

Die Trümmersäule, gebildet aus dem Rumpf der Me 109

Die Trümmersäule 

Die Schichten wurden durch den Bagger, unter wachsamen Augen des Umbetters Erwin Kowalke abgetragen. Mitglieder der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen durchsuchten den Aushub nach sterblischen Überresten, bargen aber nur Wrackteile, darunter eines der drei Propellerblätter sowie zwei Maschinengewehre MG 131 die den ersten Einsatz des Kampfmittelräumdienst forderten. Später wurde dann noch die dazugehörige Munition geborgen. Ein Hinweis auf den Verbleib des Piloten gab dann bald ein Fragment der Erla-Haube des Cockpits von der Scharnierseite. Dieses Fragment ließ vermuten das der Pilot sein Flugzeug nicht verlassen konnte 

MG 131

Waffengehäuse eines MG 131

Dies stellte sich dann aber mit erreichen des Cockpitbereichs als Irrtum heraus. Vom Piloten keine Spur, kein Gurtzeug, kein Fallschirm, keine Uniformteile und keinerlei sterblichen Überreste. Der Motorblock wurde dann fast als letztes in vier Meter Tiefe geborgen. Die Randbereiche des Aufschlagkraters wurden dann noch in der Tiefe abgebaggertet, um sicherzustellen das nichts übersehen wurde.

 Aufschlagkrater

Nach Verladen der Wrackteile und schließen der Grube wurde nach 18:00 Uhr die Arbeit beendet. 

 

 

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