Fliegerschicksale

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13.08.1944 Barver

Angriffsziel : Braunschweig
Absturzzeit : 00:15
Flugzeugtyp : Lancaster
Seriennummer : PB258
Werknummer:  
Kennung : SR-V
Nickname :  
Einheit : 101 Sqd.
Heimatbasis :  
Status der Besatzung : 2 KIA, 5 POW


Die Besatzung:

FunktionDienstgradNameStatusEndgrablage
P F/O G. M. Atyeo, RCAF POW  
E Sgt. C. T. Keeling POW  
N Sgt. J. W. Lovatt POW  
B P/O B. L. Patterson, RCAF POW  
RO Sgt. J. F. Andrews, RCAF KIA Heverlee War Cemetery Gemeinschaftsgrab 6. E. 8.
RO Sgt. H. H. Schwarz KIA Heverlee War Cemetery Gemeinschaftsgrab 6. E. 8.
AG F/Sgt. C. F. R. Pearce, RAAF POW  
AG Sgt. D. H. Balchin, RCAF POW  

 

   

Pilot F/O Ateyo und sein Bordschütze F/Sgt. Pearce

 

Der letzte Flug für die Besatzung war in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1944 mit der Lancaster PB258. Ziel war Braunschweig.

Es war ein erfolgreichen Anflug auf Braunschweig, ihre Bombenlast, eine Mischung aus Spreng- und Brandbomben konnten sie über dem Ziel abwerfen. Beim Verlassen der Zielzone wurde die Höhe auf 16000 ft veringert. Etwas später berichtete der Navigator John Lovett das sie jetzt, um 01:10 Uhr, etwa 20 Meilen nördlich von Hannover wären. Nur 2 oder 3 Minuten später meldete der Heckschütze David Balchin von hinten aufkommendes Flakfeuer und nur einen Moment später wurde die Lancaster getroffen. Splitter perforierten die Hauptbrennstofftanks in beiden Tragflächen. Der Steuerbordtank stand plötzlich in Flammen, dann kam der Befehl. "Abspringen! Abspringen!".

Keeling hakte seinen Fallschirm ein und begab sich zum vorderen Fluchtluk. Blake Patterson, der Bombenschütze, hatte versucht das Luk zu öffnen, aber es klemmt diagonal in der rechteckigen Öffnung. Es war unmöglich die Luke mit der Hand herauszudrücken, so setzte sich Keeling auf den vorderen Spant und trat immer wieder auf die eine Seite des Luks und drückte es Stück für Stück heraus bis es zum Schluß frei kam.

Patterson bemerkte, daß er seinen Fallschirm noch nicht angehakt hatte und so sollte Keeling vor im springen. Er setzte sich auf den Rand der Öffnung und ließ sich einfach nach vorne mit einer Rolle herausfallen. Nach ihm folgte John Lovatt. Während Keeling am Schirm hing sah er einen andern Fallschirm der schneller als er unterwegs war, vermutlich war es John Lovett, der ihm später erzählte, das sich eine Bahn seines Fallschimrs verdreht hatte.

Sgt. Keeling landete auf einem Feld gerade in der Nähe eines jungen Bullen, der sofort sein Mißbehagen über die nächtliche Störung zeigte. Keeling fing an zu rennen gleichzeitig seinen Fallschirm zusammenraffend. Gerade noch rechtzeitig erreichte er den Rand der Weide und kroch unter einer Reihe Stacheldraht durch. Glücklicherweise kam er nur mit einem kleinen Riß in der Hose davon.

Er hatte vor den Fallschirm zu verstecken, das war aber nicht möglich, da dieser völlig in dem Stacheldraht verheddert war. Keeling nahm seine “May West” Rettungsweste ab entfernte eine kleine Lampe und die Batterie, die an der Weste befestigt war und warf die Rettungsweste unter einen Busch.

Er entschloß sich in westliche Richtung zu gehen, als er Hunde bellen hörte und einen Mann der nach ihnen rief. Der Gedanke von großen Hunden die sich in seine Kehle beißen könnten erfüllte Keeling mit Panik und er rannte fort so schnell er konnte. Die kleine Sandgrube übersah er in der Dunkelheit, er fiel fast 4, 5 Meter tief. Glücklicherweise landete er weich und verletzte sich nicht.

Nun schlug er ein langsameres Tempo an, schließlich kam er an einen Brunnen mit sauberen Wasser, der Eimer war bereits hochgezogen. Durch das Laufen und die Aufregung ran ihm der Schweiß das Gesicht hinunter, so war ein kühler Schluck willkommen. Kurz nach Verlassen des Brunnen kam er an einen Weg der von Nord nach Süd verlief. Nach Norden machte er den Mann mit den zwei großen Hunden aus, aber dieser hatte ihn noch nicht entdeckt.

Der Boden zur Westseite des Weges sah naß und sumpfig aus und im Licht des Halbmondes sah es für Keeling aus als wäre der Weg über die sumpfigen Wiesen nach Westen der beste Weg. Es wuchsen dort Klumpen von Grasbüscheln die wie Trittsteine aussahen.

 

   

Funker Sgt. Andrews und Bombenschütze P/O Patterson

Nach einiger Zeit war er desorientiert, da der Mond immer wieder von Wolken verdunkelt wurde und er ertappte sich dabei wie er in eine falsche Richtung lief. Überall waren Gräben mit Wasser die ihn in eine südliche Richtung zwangen.

Vermutlich auf einem kleiner Hügel brach er erschöpft zusammen. Er erwachte im frühen Morgengrauen, es war aber zu dunkel um irgendetwas um ihn herum klar zu erkennen. Keeling ließ sich neben einem Haufen gestapeltem Torf nieder, was für einige weitere Stunden gewesen sein mußte, denn er erwachte als ein kleiner Terrier zu seinen Füßen anfing zu bellen. Ein Landarbeiter war nicht weit entfernt von ihm, so kroch er fort, immer den Torfstapel zwischen sich und dem Landarbeiter.

Er kam an einen Bauernhof mit einem Brunnen und Keeling fühlte sich sehr durstig, der Brunnen war aber trockengefallen.

Später kam er an ein Feld mit Entwässerungsgräben an den Seiten und er entschied, sich für den Rest des Tages dort zu verstecken. Er bemerkte Deutsche auf dem Feld, die französische Zwangsarbeiter bewachten. Er mußte den ganzen Tag unten im Graben bleiben um nicht entdeckt zu werden. Er ernährte sich von ein wenig konzentrierter Schokolade, dann versuchte er Wasser aus dem Graben mit einem Plastikrohr in einen Ballon, beides Bestandteil seiner Überlebensausstattung, zu schöpfen. Es war unmöglich Wasser zu schöpfen ohne nicht jeweils zwei oder drei Kaulquappen mit darin zu haben. Er fischte die Kaulquappen mit den Fingern heraus und tat zwei "Halezone" Wasser-Reinigungstabletten hinein und wartete 20 Minuten bis das Wasser trinkbar war.

Als Keeling seine Fluchtkarte, die aus Seide gefertigt war, studierte, glaubte er an der südlichen Ecke der Lüneburger Heide zu sein und nicht weit entfernt von einer eingleisigen Bahnstrecke. Am Abend verließen die Arbeiter das Feld und Keeling konnte weitermarschieren, in der Hoffnung eine eingleisige Bahnstrecke zu finden.

Er kam über eine Straße mit einem Kanal an der Seite. Nördlich von ihm gab es eine Brücke die den Kanal überquerte. Jemand mit einer schwarzen Uniform kam mit einem Fahrrad auf ihn zu. Er bückte sich an der Böschung, zum Kanal gerichtet, ließ seine Hose herunter um seine Fliegerstiefel zu verbergen und hockte sich in das hohe Gras als ob er ein "Geschäft" zu erledigen hätte. der Radfahrer fuhr an ihm vorrüber!

Nachdem er die andere Seite des Kanals erreicht hatte, einen Hügel passiert hatte und an dem Rand eines Feldes entlangging, tauchte von links hinter einem Hühnerstall ein Mann auf. Keeling war noch geschätzte 900 Meter von ihm entfernt, aber er wusste das er gesehen worden war. Vielleicht hatte der Mann aber noch nicht realisiert das er dort einen englischen Flieger vor sich hatte. Keeling entschied sich weiterzugehen statt umzukehren, das würde nur Verdacht erregen. Keelings Weg führte ihn nicht näher an den Mann heran.

Keeling kletterte eine Böschung hinauf und fand sich auf einer eingleisigen Bahnstrecke wieder. Leider war die Strecke stillgelegt. Ein Mann und Eine Frau kamen von rechts, links war der Hühnerbesitzer, auf der anderen Seite der Bahnstrecke war ein weiterer Kanal.

Nun gab es keine ander Richtung, als die aus der er gekommen war. Er rannte los und wurde von demm Mann zu seiner Linken verfolgt. Dieser fing Keeling, da seine Fliegerstiefel ihn beim Laufen behinderten.

Keeling wurde nun von diesen drei Deutschen auf einer Straße abgeführt. Nach einer Weile traf ein bewaffneter Polizist ein. Sie passierten etwas das aussah wie eine Kneipe, wo sich etwa sechs Leute versammelt hatten. Keeling bekamm ein helles Bier und Schwarzbrot mit Margarine. Er genoss das Bier, aber das Brot schmeckte ihm nicht.

Der Polizist nahm Keeling mit in sein Haus, welches gleichzeitig als Polizeirevier diente. Es befand etwa 1,5 Kilometer die Straße herunter. In seinem Büro stand ein großer Schreibtisch und ein Foto von Adolf Hitler hing an der Wand hinter dem Stuhl.

Keeling wurde kurz durchsucht, seine Sachen, auch die Überlebensausstattung, wurden ihm wieder zurück gegeben. Der Polizist befragte ihn zu Details des Flugzeuges, aber er gab nur seinen Namen, Dienstgrad und Nummer an. Das war alles sowieso zwecklos, da der Polizist kein Englisch sprach und Keeling kein Deutsch.

Der Polizist griff zum Telefon, wählte eine Nummer, bekam eine Verbindung, knallte seine Hacken zusammen und sagte: "Heil Hitler!". Nach einer kurzen Unterhaltung in der Keelings Name, Dienstgrad und Nummer genannt wurde schlug der Polizist wieder laut seine Hacken zusammen und mit einem weiteren "Heil Hitler!" legte er auf. Keeling empfand es so, als wollte der Polizist versuchen ihn damit zu beindrucken.

Sie verließen das Haus und gingen die Straße noch etwa 1,5 Kilometer entlang. Es begann Dunkel zu werden. Keeling fiel ein, daß er noch etwa £15 in ausländischer Währung in seiner Überlebensausstattung bei sich hatte, durchaus eine stattliche Summe damals. Während des Marsches zeriss Keeling die Banknoten hinter seinem Rücken. Das gab ihm die Befriedigung, daß sie nicht mehr konfisziert werden konnten.

Sie erreichten einen Ort, von dem Keeling glaubte es sei Diepholz. Er wurde zu dem Lager gebracht in dem die Franzosen untergebracht waren und dort einem Soldaten übergeben. Nachdem ihm seine Stiefel weggenommen wurden sperrte man ihn in einen Lagerraum. Das witzige daran war, daß an den Wände Arbeiterstiefel gestapelt waren! Er ließ sich auf einer Palette nieder die mit einer Decke vorbereitet war. Es war kurz nach Mitternacht.

Die Franzosen waren im Raum nebenan und sie klopften an die Wand um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Sie versuchten eine Unterhaltung, aber mit wenig Erfolg. Keeling dachte aber, sie hätten verstanden das er ein englischer Flieger war.

Am nächsten Morgen wurde Keeling von zwei Bewachern zum Fliegerhorst Diepholz gebracht, ein Weg von etwas über 2 Kilometern. Dort wurde er der Luftwaffe übergeben und sofort zum Kommandeur gebracht.

Während der Befragung wurde David Balchin, der Heckschütze hereingebracht. Beide taten so als würden sie sich nicht kennen.

Der Offizier hatte sechs Identifizierungskarten vor sich liegen, auch Keelings. Er sprach perfektes Englisch und sagte zu Keeling und Belchin das es nicht gut wäre so zu tun als würden sie sich nicht kennen, denn die Karten hatten fortlaufende Nummern.

Balchin und Keeling wurden eine Treppe nach unten geführt wo sie auf vier andere Besatzungsmitglieder trafen. Zwei der Besatzung wurden vermisst, John Anderson, der Funker, und der Deutsch sprechende Funker Sgt. Schwarz, daß achte Mitglied der Besatzung, der die Aufgabe hatte die Funksprüche an die deutschen Nachtjäger aufzufangen und dann mit einem der drei Sender zu stören. Hans Schwarz, ein deutscher Jude, der seinen deutschen Ursprung hinter dem Namen Henry Blake verbarg, hatte gerade einen Tag vorher seine britische Staatsbürgerschaft erhalten und befand sich auf seinem ersten Einsatzflug. Die Überlebenden erfuhren später von einem Vernehmungsoffizier, daß beide Funker getötet worden waren.

Zwei wurden zusammen in eine Zelle gesperrt, Keeling zusammen mit John Lovatt. Die Zelle war karg bis auf eine etwas erhöte Pritsche mit einem Holzblock als Kopfkissen und zwei Decken. Glücklicherweise mußte Keeling dort nicht schlafen, da sie am Nachmittag nach Diepholz zurückmarschierte. Dort nahmen die Gefangenen und ihre Bewacher einen Zug nach Hannover. Es war schon dunkel als sie dort eintrafen, die Luftschutzsirenen heulten (ein Wiederholungsangriff auf Braunschweig) und sie mußte durch einen Tunnel zu einem anderen Bahnsteig um den Zug nach Frankfurt / Main zu erreichen. Der Tunnel wurde als Luftschutzraum genutzt und war voll mit Leuten die sich dort zur Nacht eingerichtet hatten. Als sie die englischen Flieger erblickten wurden sie sehr wütend, schrien sie an und machten bedrohliche Gesten. Keeling und die andern waren dankbar das die Luftwaffensoldaten sie vor der Menge schützten.

 

   

Navigator Sgt. Lovatt und Heckschütze Sgt. Balchin

 

Lovatt, Balchin, Pearce und Keeling wurden in Stalag Luft VII interniert, Ateyo und Patterson in Stalag Luft XI.

Andrews und Hans Schwartz (alias Henry Blake ) wurden auf dem "Russen-Friedhof" in Hann.Ströhen im Landkreis Diepholz erstbestattet.

John French Andrews ruht heute zusammen mit Hans Heinz Schwarz auf dem Heverlee War Cemetery in dem Gemeinschaftsgrab 6. E. 8.


Quellen:

Luftgaukommando XI

CWGC

Trevor Keeling

Bildnachweis:

Joe Pearce, GB

Stand: 25.07.2015

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