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07.04.1945 Thören

Angriffsziel : Kaltenkirchen
Absturzzeit : 12:50
Flugzeugtyp : B-17
Seriennummer : 42-31366
Werknummer:  
Kennung :  
Nickname : "Snake Eye"
Einheit : 452nd BG, 731st BS
Heimatbasis : AAF Station 142
Status der Besatzung : 9 KIA


Die Besatzung:

FunktionDienstgradNameStatusEndgrablage
P 1st Lt. David L. Owens KIA Ardennes American Cemetery Feld A, Reihe 32, Grab 34
CP F/O. James I. Smouse KIA Ardennes American Cemetery Feld D, Reihe 3, Grab 13
N 2nd Lt. Gene F. Ahrens KIA Ardennes American Cemetery Feld D, Reihe 25, Grab 20
B T/Sgt. John B. Kennedy KIA Ardennes American Cemetery Feld C, Reihe 12, Grab 51
RO T/Stg. Philip G. Ellis KIA  
E/TT S/Sgt. Donald V. Phelps KIA  
BT T/Sgt. Frank A. Rudinsky KIA Ardennes American Cemetery Feld D, Reihe 17, Grab 3
WG S/Sgt. William D. Auferoth KIA  
TG S/Sgt. Marion F. Rogders KIA Jefferson Barracks National Cemetery, Section 81, Grave 226A

2007 schrieb Steve Krebs aus den USA mich an und bat um Hilfe mehr über das Schicksal der B-17  "Snake Eye" heraus zu finden. Sein Großonkel Marion Rodgers war der Heckschütze an Bord und wurde auf seinem 25. Einsatz am 07.04.1945 getötet. Der einschlägigen Literatur zu Folge stürzte die B-17 in der Nähe des Steinhuder Meeres bei Stadthagen ab. Dazu paßte nicht der Brief des War Departments an die Mutter des Getöteten der als Begräbnisort Engehausen nennt. Engehausen ist im Landkreis Heidekreis, nah an der Grenze zum Nachbarlandkreis Celle und damit 53 Kilometer nordöstlich von Stadthagen!

Der Absturzort Stadthagen stammt von einer Aussage die vom Luftwaffen Feldwebel Walter Otto, der Rammjägerpilot  im Schulungslehrgang "Elbe" war, nach dem Krieg gemacht wurde. Otto startete an jenem Tag vom Flugplatz Klecan bei Prag und sein Auftrag lautete amerikanische Bomber durch Rammen zum Absturz zu bringen, die im Raum Steinhuder Meer gemeldet wurden. Er stürzte aus Überhöhung in die Bomberformation, aber verfehlte die anvisierte B-17. Er zog seine Me 109 nach oben und rammte eine andere B-17 von unten in den Bug. Es war der Bug der "Snake Eye". Die Bugsektion des Bombers riß ab und der Rest der "Snake Eye" stürzte dem Boden entgegen.

Feldwebel Otto konnte sich durch Fallschirmabsprung retten und landete nach seiner Aussage sicher in der Nähe einer Ortschaft die Mit "Nien..." begann. Er übernachtete bei einem Apotheker im nächsten Ort und war der Meinung das dieser Ort Stadthagen war. Am nächsten Tag nahm er den Zug von Stadthagen über Celle nach Leipzig.

Die erste Zeit der Recherche dachte ich darüber nach wie Rodgers nach Engehausen kommen konnte. War er gefangen genommen worden und später dort ermordet? Sprang er vorzeitig ab, als der Bomber ausser Kontrolle Engehausen überflog, der Pilot der "Snake Eye" den Bomber aber doch in der Luft halten konnte und er versuchte zurück nach England zu gelangen um schließlich doch noch bei Stadthagen abzustürzen?

Eine Menge Fragen und es gab keine Antworten.

Der Individual Deceased Personal File (IDPF) des Piloten Lt. Owen gab erste Informationen über den wahren Absturzort und das Schicksal der Besatzung. Die sterblichen Überreste von Lt. Owens und seiner Besatzung wurden nach dem Krieg 1946 zwei Kilometer nördlich Stillenhöfen gefunden. Ein Flieger lag schwer verbrannt im Wrack, grotesker Weise trug er noch seinen Flak-Helm.

Dies wurde dann auch durch einen Augenzeugen bestätigt der kurz nach dem Krieg zufällig auf das Wrack stieß. Auch andere Augenzeugen bestätigten unabhängig voneinander die Lage des Wracks in ihren Berichten, analog zu der Lageskizze im IDPF. Damit war ausreichend sichergestellt, das sich der tatsächliche Absturzort der "Snake Eye" ca. zwei Kilometer nördlich von Stillenhöfen, gerade eben auf dem Gebiet der Gemeinde Thören befand.

Wie kann es aber zu der nun nachweislich falschen Aussage des Feldwebel Otto gekommen sein? Das Folgende ist rein spekulativ, aber eine mögliche Erklärung.

Zu der damligen Zeit orientierten sich Piloten bei der Navigation an Landmarken, wie Flüsse, grosse Seen, Eisenbahnlinien, Gebirge. Otto flog von Klecan aus über den Brocken im Harz den Raum Hannover und das Steinhuder Meer an. Ab entdecken des Bomberstromes entrückt die Positionsbestimmung aus den Gedanken des Piloten und er ist auf seinen Auftrag fixiert, hier um so mehr, da Otto damit rechnen mußte seinen Rammstoß nicht zu überleben. Tatsächlich landete Otto mit seinem Fallschirm im Ort Nienhagen bei Schwarmstedt während aus seiner Erinnerung heraus dieser Ort am Steinhuder Meer lag, befand er sich tatsichlich in der Nähe des Aller-Leine Dreiecks. Die Übernachtung erfolgte bei einem Apotheker in Schwarmstedt. Die Versprengten-Sammelstelle in Schwarmstedt, bei der Otto sich mit hoher Wahrscheinlichkeit meldetet, lag genau neben einer Apotheke. Da Otto wie jeder Rammjägerpilot einen Sonderausweis mit sich trug, der ihm bevorzugte Rechte einräumte und mit dem ein Rammjäger gegenüber einem einfachen Soldaten vermutlich einen Sonderstatus hatte erklärt hier eine Einquartierung beim Apotheker. Leider war es nicht möglich den Apotheker oder seine Familienanghehörige ausfindig zu machen.

Otto gab an am nächsten Tag, 08.04.1945, von Stadthagen über Celle nach Leipzig gefahren zu sein. Der Reiseweg erscheint unlogisch, da der direkte Weg von Stadthagen nach Leipzig über die Bahnlinie Stadthagen-Wunstorf-Hannover usw. führt. Am 08.04.1945 war Minden, das an der Bahnstrecke von Stadthagen östlich liegt aber beriets von alllierten Truppen besetzt und die Bahnstrecke Minden-Stadthagen-Wunstorf lag in einem noch unbesetzten Korridor, während nördlich und südlich die Allierten weiter vorstießen. Es ist anzunehmen das der Bahnbetrieb schon Tage zuvor eingestellt worden war, wie es bereits auf der Steinhuder Meer Bahn erfolgt war, und Otto keine möglich gehabt hätte von Stadthagen mit dem Zug abzureisen.

Von Schwarmstedt aus führt eine Bahnlinie direkt nach Celle, es ist daher anzunehmen, das Otto von Schwarmstedt aus über Celle reiste. Nachweislich war die Bahnlinie am 08.04.1945 nach Celle noch in Betrieb. Somit dürfte eine in der Literatur zum Thema Rammjäger weit verbreiteter Fehler berichtigt sein.


Quellen:

ABMC

MACR 13886

IDPF Lt. Owens

Augenzeugenberichte aus Thoeren, Engehausen, Stillenhöfen, Ostenholzer Moor (Heide Kroepke)

 

Stand: 26.07.2015

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Wrackteile von Blenheim gefunden!

Ende Juni 2015 wurden durch eine Kampfmittelbeseitigungsfirma im Bremer Blockland Wrackteile eines Flugzugs geborgen. Jens-Michael Brandes von der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie wurde informiert und besichtigte zusammen mit Prof. Dr. Halle von der Bremer Landesarchäologie die Teile auf dem Gelände der Firma. Frau Prof. Dr. Halle übernahm einen Fliegerhandschuh sowie Reste eines Stiefels zur Konservierung.

J.-M. Brandes nahm in Absprache mit  Frau Prof. Dr. Halle einige Teile mit zur Auswertung nach Hause. Noch am selben Abend war klar das es sich um einen mittleren Bomber vom Typ Bristol Blenheim VI handelte. Bei weiteren Untersuchungen konnten einen Tag später zwei Aufschriften, eine mit Schablone lackiert, die andere Aufschrift mit Bleistift angefertigt, entdeckt werden, die, die Seriennummer der Maschine nannten, V6020.

Die Teile wurden im Rahmen einer Ausstellung am 13.09.2015 zum Tag des offen Denkmals in der Landesarchäologie ausgestellt.

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Luftfahrtarchäologie 2015. Zertifizierung Sondengänger mit Polizeieinsatz.

Am 10.10.2015 fand auf Einladung von Prof. Dr. Hauke Jöhns, leitender wissenschaftlicher Direktor des Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung, und Frau Dr. Jutta Precht, Kreisarchäologin des Landkreises Verden der praktische Ausbildungsteil des Zertifizierungslehrgangs für Sondengänger statt. Ausgesucht hatte Frau Dr. Precht eine vermutete germanische Siedlungsfläche aus der römischen Kaiserzeit in Hülsen, Gemeinde Dörverden, auf dem die Ausbildung mit den Sondengängern durchgeführt wurde. Als Vertreter der Landesarchäologie Niedersachsen war Herr Mario Pahlow M. A. vom Stützpunkt Lüneburg anwesend. Bei kühlen 4,5° C traffen sich die Teilnehmer und wurden bei einer Tasse heißem Kaffee durch Prof. Dr. Jöhns und Dr. Precht eingewiesen. Anschließend wurde die, vom Landwirt netterweise extra für den Lehrgang, umgebrochene Fläche in mehrer Suchflächen von 10 X 10 Meter eingeteilt. Die Teilnehmer durften dann erstmal nur ihre Augen einsetzen und "ihre" Fläche nach Keramiken, bearbeiteten Feuersteinen oder anderen Auffälligkeiten absuchen. 

Oberflächensuche, nur mit den Augen

Oberflächensuche mit den Augen...

Detektorsuche

...und der Sonde.

Die dabei gemachten Lesefunde wurden dann durch einen der Archäologen begutachtet, danach wurde für jeden Fund ein Fundzettel ausgefüllt. Endlich durften die Teilnehmer mit der Sonde suchen. Hier war die "Trefferqoute" hoch, allerdings nicht unbedingt bei den archäologisch verwertbaren Funden, eher bei technischen Teilen von Landmaschinen und, unerwartet, Infantriemunition aus italienischer Fertigung, die vermutlich von Beutewaffen stammte die in der ehemaligen nah gelegenen Kriegsmarine-Fahrschule geführt wurden. Augenscheinlich wurde nach Kriegsende die Muntion durch Sprengung auf unserer Ausbildungsfläche vernichtet. Das bedingte das zweimalige Kommen der Polizei um die gesammelte Muntion zu übernehmen.

Munition und Munitionsteile

Munition und Munitionsteile.

Noch vor dem Mittag wurde "umgesetzt" und die zweite Hälfte der Ackerfläche abgesteckt. Um etwa 12:30 Uhr lud Frau Dr. Precht zu einem einfachem aber schmackhaften Mittagessen ein, das bei herlichem Sonnenschein am Ackerrain eingenommen wurde. Bevor es wieder auf die Suchfläche ging, erläuterte Frau Dr. Precht das Ausfüllen einer Fundmeldung. 

Mittagessen

Mittag!

Gegen 15:15 Uhr hatten alle Teilnehmer ihre zweiten 10 X 10 Meter großen Flächen abgesucht und so konnte abgebaut und aufgeräumt werden. Höhepunkt für alle war die Übergabe der Teilnahmebescheinigung mit denen die Teilnehmer nun in Absprache mit den zuständigen unteren Denkmalbehörde Flächen mit der Sonde begehen dürfen.

 Archäologisch Relevante Funde

Archäologisch relevante Funde.

Stand: 11.10.2015

 

Bergung einer Me 109 G-10 in Stendern, Gemeinde Bücken.

Am 26.08.2016 wurde durch den Verein um Werner Oeltjebruns "Flieger, Flugzeuge, Schicksale" und Unterstützung der "Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen", so wie der Bundesschule des THW in Hoya unter Begleitung des Kampfmittelräumdienstes, des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. un der  Kommunalarchäologie vertreten durch Dr. Jens Berthold die Reste einer Messerschmitt Me 109 G-10 geborgen.

Abziehen der Ackeroberfläche

Erste Spuren des Flugzeuges zeigten sich ca. 50 cm unter der Ackeroberfläche beim Abziehen der obersten Bodenschichten mit dem Bagger. Perfekte Arbeit lieferte Heiner Hupe vom THW ab. Auf Anweisung von Werner Oeltjebruns steuerte Hupe die Schaufel um die Trümmersäule die das Jagdflugzeug bildete als es fast senkrecht im Winter 1944/45 in den Boden einschlug. Versuche die reste des Wracks Schicht für Schicht abzutragen, konnte aufgrund des kompakten Bodens in dem die Blechfetzen wie Blätterteig geschichtet lagen, nicht umgesetzt werden.

Die Trümmersäule, gebildet aus dem Rumpf der Me 109

Die Trümmersäule 

Die Schichten wurden durch den Bagger, unter wachsamen Augen des Umbetters Erwin Kowalke abgetragen. Mitglieder der Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen durchsuchten den Aushub nach sterblischen Überresten, bargen aber nur Wrackteile, darunter eines der drei Propellerblätter sowie zwei Maschinengewehre MG 131 die den ersten Einsatz des Kampfmittelräumdienst forderten. Später wurde dann noch die dazugehörige Munition geborgen. Ein Hinweis auf den Verbleib des Piloten gab dann bald ein Fragment der Erla-Haube des Cockpits von der Scharnierseite. Dieses Fragment ließ vermuten das der Pilot sein Flugzeug nicht verlassen konnte 

MG 131

Waffengehäuse eines MG 131

Dies stellte sich dann aber mit erreichen des Cockpitbereichs als Irrtum heraus. Vom Piloten keine Spur, kein Gurtzeug, kein Fallschirm, keine Uniformteile und keinerlei sterblichen Überreste. Der Motorblock wurde dann fast als letztes in vier Meter Tiefe geborgen. Die Randbereiche des Aufschlagkraters wurden dann noch in der Tiefe abgebaggertet, um sicherzustellen das nichts übersehen wurde.

 Aufschlagkrater

Nach Verladen der Wrackteile und schließen der Grube wurde nach 18:00 Uhr die Arbeit beendet. 

 

 

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